Die schwindende Aufmerksamkeitsspanne beim Lesen

Ich merke es an mir selbst und höre es von vielen anderen: Die eigene Aufmerksamkeitsspanne beim Lesen nimmt ab, und zwar rapide. Habe ich früher ganze Nachmittage damit verbracht, Bücher zu lesen, muss ich mir heute die Zeit dafür mühsam zusammenklauben. Unterbrochen wird das Lesen zusätzlich immer wieder durch das Handy, das die neuesten Nachrichten, Tweets und Co 24/7 an mich weiterleitet. Ich versuche also permanent überall zu sein und ich merke, dass mir das nicht gut tut.

Vom Zwang immer up to date-Sein zu müssen

Dass ich mir früher ganze Tage freigehalten habe, um lesen zu können, lag natürlich nicht unwesentlich daran, dass ich Schülerin war. Nach Ausbildung, Studium und Vollzeitjob ist die Zeit knapper bemessen, das liegt in der Natur der Sache. Trotzdem fällt es mir schwerer in der sowieso schon kurzen Zeit, die ich lesen kann, mich aktiv auf ein Buch zu konzentrieren. Warum? Weil ich immer darüber nachdenke, ob jemand auf einen meiner Tweets reagiert hat, ich einen Blogbeitrag teilen muss, auf eine Nachricht bei Facebook antworten sollte – schlicht, meine Gedanken auf zig Hochzeiten tanzen. Das schlaucht und ich spüre, dass dieser selbst auferlegte Zwang, überall zu sein, mich anstrengt.

Lesen bringt Ruhe

Dabei habe ich diese innere Ruhe, die das Lesen mit sich bringt, dringend nötig. Ich merke das, wenn ich das Handy einfach mal bei Seite lege und wieder komplett in eine Geschichte abtauche. Dennoch kämpft sich immer wieder der Hintergedanke daran in mein Bewusstsein, dass ich etwas Produktives schaffen muss, etwas, das mich als Autorin, als Bloggerin, als Arbeitnehmerin voranbringt. Ich gestehe mir selbst nicht die Zeit zu, mich zu entspannen. Doch gerade in letzter Zeit habe ich erkannt, dass ich mir diese Zeit nehmen muss, um überhaupt etwas auf die Reihe zu kriegen. Denn: Wenn ich von Artikel zu Artikel, von Blog zu Blog, von Thema zu Thema springe, immer auf die neuesten Nachrichten schaue und mich dabei unbewusst treiben lasse, schaffe ich am Ende weniger, als wenn ich mir eine Stunde bewusste Freizeit nehme.

Konzentration durch Pausen und Aufgabenlisten

Auch wenn es zum Teil immer noch manchmal nicht so recht klappen will, habe ich für mich gelernt, Pausen zu machen. Pausen, in denen ich mich von der Arbeit löse und auf andere Gedanken komme. So schwer es meinem inneren Pflichtbewusstsein auch fällt, spüre ich doch, dass Konzentration und Belastbarkeit dadurch merklich steigen. Auch versuche ich mir feste Zeitspannen zu setzen, in denen ich mich mit Social Media beschäftige, sodass nicht immer wieder der Gedanke daran aufpoppt, was wohl gerade auf Plattform XYZ passiert. Das fällt mir als jemandem, der sehr gerne viel arbeitet und immer alles sofort machen möchte, nicht leicht, aber es ist der für mich richtige Weg. Denn ich merke: Je mehr ich mich auf nur eine Sache konzentriere, desto erfolgreicher bin ich insgesamt. Auch beim Lesen.

Kennt ihr das Problem der kurzen Aufmerksamkeitsspanne beim Lesen? Wie bekämpft ihr sie?

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