Kategorie: Gedanken

Warum der Herbst für mich die beste Zeit zum Schreiben ist

Anna Weydt Herbst schreiben

Auch wenn wir dieses Jahr einen Jahrhundertsommer hatten, wird auch er zu Ende gehen. Ich habe die Sonne und die Temperaturen genossen, allerdings freue ich mich auch auf die Jahreszeit, die nach dem Sommer kommt: Der Herbst. Denn der Herbst ist nicht nur die Jahreszeit, in der ich geboren wurde, sondern auch die, in der und über die ich am liebsten schreibe. Hier nun also 5 Gründe, wieso gerade der Herbst mich so inspiriert und für mich die beste Zeit zum Schreiben ist.

Der Herbst ist gemütlich.

Viele nennen ihn nass und kalt. Ich nennen den Herbst gemütlich, und zwar nicht nur dann, wenn ich auf meiner Couch sitze und Kerzen angezündet habe, weil es so früh dunkel wird. Sondern auch, weil ich jetzt endlich wieder meine warmen Klamotten rausholen kann. Aber natürlich geht nichts über einen Leseabend auf dem Sofa.

Die Natur stirbt.

Klingt jetzt im ersten Moment nicht so positiv, trotzdem finde ich es immer wieder faszinierend, wie die Natur sich jedes Jahr erneut selbst erfindet. Der Herbst mit seinen bunten Farben ist dabei für mich persönlich eine besondere Inspiration, weil er eine Zwischenphase zwischen Winter und Sommer ist. Geht mir beim Frühling übrigens genauso.

Es wird früh dunkel.

Warum ausgerechnet das gut fürs Schreiben sein soll? In meinem Fall ganz einfach: Wenn man mich lässt, bin ich eine Nachteule. Ich schreibe also besonders gerne, wenn es draußen dunkel ist. Da das im Herbst früher der Fall ist, schaffe ich auch mehr und muss dafür trotzdem nicht bis 3 Uhr nachts aufbleiben (was sich mit meinem Vollzeitjob auch gar nicht vertragen würde).

Spaziergänge im Herbstlaub.

Fürs Plotten und auch für allgemeine Ideenfindung ist der Herbst die beste Jahreszeit. Meistens sind nämlich kaum Leute unterwegs, wenn es immer mal wieder anfängt zu regnen und so habe ich den Park ganz für mich allein, während ich über neue Ideen nachdenke. Außerdem lassen sich auch noch schöne Fotos machen.

Kamine werden angemacht.

Mein Lieblingscafé hat einen wirklich tollen Kamin. Der bleibt im Sommer natürlich aus (außer wir haben wieder einen typisch norddeutschen Sommer, dann kann es vorkommen, dass er trotzdem an ist). Im Herbst ist der Kamin aber auf jeden Fall regelmäßig an; mit einer Tasse Tee und einem guten Buch oder dem Notizbuch lässt es sich dort also wirklich aushalten.

Ist der Herbst für euch auch die beste Zeit zum Schreiben? Wenn ja: Warum?

Der Umgang mit Trauer in Literatur und Film

Da ich gerade erst wieder einen Film gesehen habe, bei dem mir dieses Thema ganz besonders ins Auge gestochen ist, möchte ich heute über den Umgang mit Trauer in Literatur und Film schreiben. Dabei sage ich gleich vorweg: Nein, natürlich wird es nicht überall gleich dargestellt, es gibt genügend Werke, in denen Trauer in all ihren Facetten behandelt wird. Ich spreche aber in diesem Artikel über die anderen Filme und Bücher, in denen mir immer wieder ein aufdiktiertes Bild von Trauer ins Auge sticht, das mir zusehends gegen den Strich geht.

Trauer, die

Laut Wikipedia bezeichnet Trauer ein betrübendes Ereignis, das die Stimmung des Gemüts beeinflusst sowie deren Kundgebung nach außen, etwa durch den Verlust nahestehender oder verehrter Personen oder Tiere, durch die Erinnerung an solche Verluste, oder auch zu erwartende Verluste. Dabei durchlaufen Trauernde nach Kast vier Phasen: Das nicht-Wahrhaben-Wollen, aufbrechende Emotionen wie Wut, Freude, Trauer, Ruhelosigkeit und Angst. Als dritte Phase das Suchen, Finden und sich trennen und als vierte Phase die Neuorientierung. Nicht alle Phasen werden immer in dieser Reihenfolge durchlebt, auch können sie mehrmals nacheinander oder durcheinander durchgestanden werden.

Die Erwartung an Trauer und Trauernde

Diese Definition zeigt meiner Meinung nach schon deutlich genug, dass Trauer ein sehr individueller Prozess ist, der je nach Mensch unterschiedlich verlaufen kann. Dennoch wird Trauer in vielen Büchern und Filmen mit bestimmten Bildern assoziiert, denen man gefälligst zu entsprechen hat – denn sonst trauert man ja nicht richtig. Genauso wie diese Erwartung an die Protagonisten gerichtet wird, wird sie auch im realen Leben an real Trauernde gerichtet und erzeugt damit einen meiner persönlichen Meinung nach latenten Druck sich dem gesellschaftlich akzeptierten Bild von Trauer unterzuordnen. Einen Druck, den man in einer Situation, in der man trauert, überhaupt nicht gebrauchen kann.

Frauen, Männer und die Trauer

Dabei werden Frauen in vielen Filmen und Büchern immer noch als die emotional Trauernden gezeigt, die vor versammelter Mannschaft in Tränen ausbrechen, zusammenbrechen und auch sonst ihre Gefühle nach außen tragen. Männer hingegen tragen den Schmerz mit Fassung, ziehen sich allenfalls auf ihren einsamen Fels zurück und machen das, was in ihnen vorgeht, mit sich selbst aus. Allgemein lässt sich diese Beschreibung in Literatur und Film natürlich auch noch auf andere Bereiche der Gefühlswelt übertragen, mir ist sie aber in diesem Fall besonders im Hinblick auf die Trauer aufgefallen.

Muss das so?

Muss das so? Ich sage: Nein. Denn genauso wie eine Frau still trauern kann, kann ein Mann auch emotional einen Verlust verarbeiten. Das Aufdiktieren von „richtigen“ und „falschen“ Verhaltensweisen bei einem so persönlichen, so individuellen Prozess wie der Trauer finde ich schlichtweg unverschämt. Jeder Mensch geht mit einem Verlust anders um und es sollte auch jedem selbst überlassen sein, wie er das tut. Vorwürfe wie: „Reiss dich mal zusammen“ oder „Du bist ja kalt wie Eis“ haben dabei einfach keinen Platz und setzen den Menschen, der sowieso schon einer Drucksituation ausgesetzt ist, noch weiter unter Strom. Die Erwartungshaltung bleibt trotzdem, wurde an mich sogar schon so herangetragen. Und ich frage: Gibt es wirklich einen Weg, falsch zu trauern? Ich sage wieder: Nein.

Die schwindende Aufmerksamkeitsspanne beim Lesen

Ich merke es an mir selbst und höre es von vielen anderen: Die eigene Aufmerksamkeitsspanne beim Lesen nimmt ab, und zwar rapide. Habe ich früher ganze Nachmittage damit verbracht, Bücher zu lesen, muss ich mir heute die Zeit dafür mühsam zusammenklauben. Unterbrochen wird das Lesen zusätzlich immer wieder durch das Handy, das die neuesten Nachrichten, Tweets und Co 24/7 an mich weiterleitet. Ich versuche also permanent überall zu sein und ich merke, dass mir das nicht gut tut.

Vom Zwang immer up to date-Sein zu müssen

Dass ich mir früher ganze Tage freigehalten habe, um lesen zu können, lag natürlich nicht unwesentlich daran, dass ich Schülerin war. Nach Ausbildung, Studium und Vollzeitjob ist die Zeit knapper bemessen, das liegt in der Natur der Sache. Trotzdem fällt es mir schwerer in der sowieso schon kurzen Zeit, die ich lesen kann, mich aktiv auf ein Buch zu konzentrieren. Warum? Weil ich immer darüber nachdenke, ob jemand auf einen meiner Tweets reagiert hat, ich einen Blogbeitrag teilen muss, auf eine Nachricht bei Facebook antworten sollte – schlicht, meine Gedanken auf zig Hochzeiten tanzen. Das schlaucht und ich spüre, dass dieser selbst auferlegte Zwang, überall zu sein, mich anstrengt.

Lesen bringt Ruhe

Dabei habe ich diese innere Ruhe, die das Lesen mit sich bringt, dringend nötig. Ich merke das, wenn ich das Handy einfach mal bei Seite lege und wieder komplett in eine Geschichte abtauche. Dennoch kämpft sich immer wieder der Hintergedanke daran in mein Bewusstsein, dass ich etwas Produktives schaffen muss, etwas, das mich als Autorin, als Bloggerin, als Arbeitnehmerin voranbringt. Ich gestehe mir selbst nicht die Zeit zu, mich zu entspannen. Doch gerade in letzter Zeit habe ich erkannt, dass ich mir diese Zeit nehmen muss, um überhaupt etwas auf die Reihe zu kriegen. Denn: Wenn ich von Artikel zu Artikel, von Blog zu Blog, von Thema zu Thema springe, immer auf die neuesten Nachrichten schaue und mich dabei unbewusst treiben lasse, schaffe ich am Ende weniger, als wenn ich mir eine Stunde bewusste Freizeit nehme.

Konzentration durch Pausen und Aufgabenlisten

Auch wenn es zum Teil immer noch manchmal nicht so recht klappen will, habe ich für mich gelernt, Pausen zu machen. Pausen, in denen ich mich von der Arbeit löse und auf andere Gedanken komme. So schwer es meinem inneren Pflichtbewusstsein auch fällt, spüre ich doch, dass Konzentration und Belastbarkeit dadurch merklich steigen. Auch versuche ich mir feste Zeitspannen zu setzen, in denen ich mich mit Social Media beschäftige, sodass nicht immer wieder der Gedanke daran aufpoppt, was wohl gerade auf Plattform XYZ passiert. Das fällt mir als jemandem, der sehr gerne viel arbeitet und immer alles sofort machen möchte, nicht leicht, aber es ist der für mich richtige Weg. Denn ich merke: Je mehr ich mich auf nur eine Sache konzentriere, desto erfolgreicher bin ich insgesamt. Auch beim Lesen.

Kennt ihr das Problem der kurzen Aufmerksamkeitsspanne beim Lesen? Wie bekämpft ihr sie?