Denkanstoß: Warum nicht lesen nicht schlimm ist

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Pünktlich zum Nikolas bin ich zurück mit meinem Dezemberbeitrag. Dieses Mal möchte ich über ein Phänomen sprechen, das mir in den letzten Monaten vor allem auf einigen Buchblogs aufgefallen ist: Den Entschuldigungen der Blogger, dass sie es nicht geschafft haben, mehr Bücher zu lesen oder Reviews zu schreiben. Dass sie unzufrieden sind mit ihrem SuB oder der Anzahl der gelesenen Bücher. Zusammengefasst ist mir also von allen Seiten der Zwang zu lesen aufgefallen.

Was meine ich damit?

Ich habe den Eindruck, dass Lesen gerade in der Buchbubble zu einer Art Sport geworden ist: Höher, schneller, weiter. Es gibt Listen und gegenseitige Motivation, noch mehr zu lesen. Für mich als Autorin ist das natürlich bis zu einem gewissen Grad positiv, trotzdem muss ich ehrlich sagen, dass ich das kritisch sehe. Denn: Erzeugen der SuB, Motivationsgruppen und Listen über die Bücher, die in einem Monat oder Jahr gelesen werden wollen, nicht Druck? Druck, der einigen Bloggern mit der Zeit zu viel zu werden scheint? Korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber sollte Lesen nicht ein Hobby sein, zu dem man sich nicht wie im Leistungssport motivieren muss?

Zwischen Hobby und Beruf(ung)

Ich persönlich frage mich bei vielen Blogs, die mit sehr viel Herzblut geschrieben sind und genau über diesen Druck klagen: Ist es ein Hobby oder mehr? Dabei habe ich häufig den Eindruck, dass gerade den Bloggern selbst nicht ganz klar ist, bis wann ein (Buch)blog noch als Hobby gilt und ab wann eben mehr dahintersteht – etwa die Erwartungen von Verlagen oder Autoren. Dass sie zwar gerne lesen und auch mit Verlagen oder Autoren kooperieren möchten, aber gleichzeitig nicht den Sprung wagen und sagen: Ja, ich bin ein professioneller Blogger, weil ich mit Unternehmen zusammenarbeite.

Klare Unterscheidung

Ich selbst blogge in einer anderen Sparte und die Differenzierung zwischen professionellen Blogs, die mit Unternehmen kooperieren, und solchen, die es kategorisch eben nicht tun, ist ganz klar umrissen. Mit dieser klaren Kante sind auch die Erwartungen geregelt: Wenn jemand mit einem Unternehmen zusammenarbeitet, wird Professionalität erwartet und geliefert. Es gibt Redaktionspläne, Mediazahlen und eine Steuernummer, unter der Rechnungen geschrieben werden. Wenn der Blogger hingegen nur als Hobby über seine Erlebnisse schreibt, dann wird das nicht erwartet. Je mehr ich in die Buchbloggerbubble eintauche, desto mehr habe ich das Gefühl, dass diese Unterscheidung dort nicht oder nur sehr selten getroffen wird. Irgendwie sieht sich fast jeder Blogger als jemand, der den Blog als Hobby führt. Aber ist es das wirklich, wenn man mit Unternehmen zusammenarbeitet?

Kein Vorwurf, mehr ein Denkanstoß

Ich möchte damit keinen Blogger angreifen. Ich liebe eure Blogs, eure Themen und auch die Art und Weise, wie ihr Bücher vorstellt. Aber um den Bogen zurück zur Ausgangsfrage zu spannen: Wie entsteht der Druck, lesen zu müssen? Meiner Ansicht nach kommt er nicht nur von den SuBs, den Jahreslisten und Motivationsgruppen. Sie sind häufig (aber natürlich nicht immer) nur ein Symptom. Aus meiner Sicht braucht die Buchbloggerbranche eine Professionalisierung. Es muss deutlich werden, was Unternehmen wie Verlage erwarten können und was nicht. Denn im Endeffekt geht es den Verlagen darum, ein Produkt zu bewerben.

Sicherheit auch für Blogger

Die Blogger hingegen brauchen diese Sicherheit genauso, denn nur dadurch kann der Druck rausgenommen werden. Bloggt man als Hobby, sollte auf die Zusammenarbeit mit Unternehmen verzichtet werden. Denn dann muss nichts gelesen werden, worauf man eigentlich keine Lust hat (manchmal stellt sich das ja zum Beispiel erst während des Lesens heraus), und das ist auch nicht schlimm. Arbeitet man hingegen mit Unternehmen zusammen, trifft Absprachen, muss aus meiner Sicht auf professioneller Augenhöhe interagiert werden.

Wie seht ihr das? Wie bloggt ihr und seht ihr euch mehr als Hobbyblogger oder als professioneller Blogger? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

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