Der Umgang mit Trauer in Literatur und Film

Da ich gerade erst wieder einen Film gesehen habe, bei dem mir dieses Thema ganz besonders ins Auge gestochen ist, möchte ich heute über den Umgang mit Trauer in Literatur und Film schreiben. Dabei sage ich gleich vorweg: Nein, natürlich wird es nicht überall gleich dargestellt, es gibt genügend Werke, in denen Trauer in all ihren Facetten behandelt wird. Ich spreche aber in diesem Artikel über die anderen Filme und Bücher, in denen mir immer wieder ein aufdiktiertes Bild von Trauer ins Auge sticht, das mir zusehends gegen den Strich geht.

Trauer, die

Laut Wikipedia bezeichnet Trauer ein betrübendes Ereignis, das die Stimmung des Gemüts beeinflusst sowie deren Kundgebung nach außen, etwa durch den Verlust nahestehender oder verehrter Personen oder Tiere, durch die Erinnerung an solche Verluste, oder auch zu erwartende Verluste. Dabei durchlaufen Trauernde nach Kast vier Phasen: Das nicht-Wahrhaben-Wollen, aufbrechende Emotionen wie Wut, Freude, Trauer, Ruhelosigkeit und Angst. Als dritte Phase das Suchen, Finden und sich trennen und als vierte Phase die Neuorientierung. Nicht alle Phasen werden immer in dieser Reihenfolge durchlebt, auch können sie mehrmals nacheinander oder durcheinander durchgestanden werden.

Die Erwartung an Trauer und Trauernde

Diese Definition zeigt meiner Meinung nach schon deutlich genug, dass Trauer ein sehr individueller Prozess ist, der je nach Mensch unterschiedlich verlaufen kann. Dennoch wird Trauer in vielen Büchern und Filmen mit bestimmten Bildern assoziiert, denen man gefälligst zu entsprechen hat – denn sonst trauert man ja nicht richtig. Genauso wie diese Erwartung an die Protagonisten gerichtet wird, wird sie auch im realen Leben an real Trauernde gerichtet und erzeugt damit einen meiner persönlichen Meinung nach latenten Druck sich dem gesellschaftlich akzeptierten Bild von Trauer unterzuordnen. Einen Druck, den man in einer Situation, in der man trauert, überhaupt nicht gebrauchen kann.

Frauen, Männer und die Trauer

Dabei werden Frauen in vielen Filmen und Büchern immer noch als die emotional Trauernden gezeigt, die vor versammelter Mannschaft in Tränen ausbrechen, zusammenbrechen und auch sonst ihre Gefühle nach außen tragen. Männer hingegen tragen den Schmerz mit Fassung, ziehen sich allenfalls auf ihren einsamen Fels zurück und machen das, was in ihnen vorgeht, mit sich selbst aus. Allgemein lässt sich diese Beschreibung in Literatur und Film natürlich auch noch auf andere Bereiche der Gefühlswelt übertragen, mir ist sie aber in diesem Fall besonders im Hinblick auf die Trauer aufgefallen.

Muss das so?

Muss das so? Ich sage: Nein. Denn genauso wie eine Frau still trauern kann, kann ein Mann auch emotional einen Verlust verarbeiten. Das Aufdiktieren von „richtigen“ und „falschen“ Verhaltensweisen bei einem so persönlichen, so individuellen Prozess wie der Trauer finde ich schlichtweg unverschämt. Jeder Mensch geht mit einem Verlust anders um und es sollte auch jedem selbst überlassen sein, wie er das tut. Vorwürfe wie: „Reiss dich mal zusammen“ oder „Du bist ja kalt wie Eis“ haben dabei einfach keinen Platz und setzen den Menschen, der sowieso schon einer Drucksituation ausgesetzt ist, noch weiter unter Strom. Die Erwartungshaltung bleibt trotzdem, wurde an mich sogar schon so herangetragen. Und ich frage: Gibt es wirklich einen Weg, falsch zu trauern? Ich sage wieder: Nein.

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