Meine liebsten Literaturorte in und um Kiel

Kiel ist nicht gerade der Nabel der Welt. Das habe ich vor sieben Jahren festgestellt, als ich von Hamburg für das Studium hierher gezogen bin. Aber, und das habe ich erst mit der Zeit herausgefunden, Kiel hat durch seine Überschaubarkeit einen klaren Vorteil: Die coolen Sachen zentrieren sich und man muss gar nicht weit gehen, um als Buchmensch viele tolle Dinge zu entdecken. Einige davon, nämlich meine liebsten Literaturorte in und um Kiel, möchte ich euch gerne vorstellen. Solltet ihr einmal in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt vorbeikommen, probiert sie gerne aus.

Das Antiquariat Lesart

Auf Twitter wurde ich einmal gefragt, welche Buchhandlung in Kiel ich besonders empfehlen kann. Hier gibt es neben den großen Buchläden wie Hugendubel, die man eigentlich nicht mehr erwähnen muss, auch wirklich viele schöne (moderne) Antiquariate. Eins davon ist das Antiquariat Lesart. Sehr urig und total gemütlich.

Poetry Slams in der Pumpe

Literatur wird auch in der Pumpe gemacht, einer Eventlocation, in der viele Veranstaltungen stattfinden. Besonders gerne gehe ich dort zum Poetry Slam, der in regelmäßigen Abständen stattfindet und wirklich tolle Künstler featured.

Das Literaturhaus

Kiel hat ein Literaturhaus. Das wusste ich nicht, bevor ich mich 2016 mit einer Kurzgeschichte bei einem Wettbewerb dort beworben habe. Das Literaturhaus organisiert neben den Wettbewerben auch noch viele anderen schöne Events rund um Literatur und Bücher und arbeitet eng mit dem Institut für Neuere Deutsche Literatur der Kieler Universität zusammen.

Literarische Zeitungen wie der Schnipsel

Ebenfalls dem studentischen Milieu entsprungen ist der Schnipsel, eine literarische Zeitung, bei der jeder Schreibende seine Werke einsenden kann. Natürlich gilt auf Grund des Formats eine Zeichengrenze von 10.000 Zeichen.

Das Literaturtelefon

Auch das hat mir lange gar nichts gesagt. Das Literaturtelefon ist aber tatsächlich eine Kieler Institution. Das Telefon, bei dem jeder anrufen kann, gibt es schon seit den 1970ern. Was ein Literaturtelefon ist? Ganz einfach: Unter einer Festnetznummer kann dort zum normalen Tarif angerufen und den jeweiligen vorher aufgenommenen Texten gelauscht werden. Häufig lesen die Autoren selber. Das Kieler Literaturtelefon kooperiert außerdem mit dem Literaturhaus und hat inzwischen ebenfalls einen Podcast, der auf der Homepage einsehbar ist.

Was sind eure liebsten literarischen Orte in eurer (Wahl)heimat? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Unrealistische Handlung in Romanen

Jeder kennt es: Unmotivierte Handlung, Zufälle, die zu viel des Guten sind. Entscheidungen der Charaktere, die man selber niemals so treffen würde. Das beste Beispiel dafür sind Horrorfilme: Wer zur Hölle würde sich in einem dunklen, unheimlichen Wald freiwillig dafür entscheiden, die Gruppe zu teilen? Ich nicht. Und auch niemand, den ich kenne.

Deus Ex Machina vs. Plotting: Plotting

Unrealistische Handlung in Büchern hat dabei meiner Erfahrung nach häufig zwei Hauptgründe: Plotholes und das viel besungene Deus Ex Machina. Was versteht man darunter? Plotholes sind – kurz gesagt – Löcher in der Planung einer Geschichte. Selbst die besten Plots sind anfällig dafür und Plotholes können in allen Größen und Umfängen auftauchen. Eine gute Planung verhindert Plotholes weitestgehend, ein darauf folgendes gutes Lektorat dünnt sie hoffentlich gänzlich aus. Plotholes sind aus meiner Autorensicht also das eine Problem bei unrealistischer Handlung. Deus Ex Machina ist das andere.

Deus Ex Machina vs. Plotting: Deus Ex Machina

Wer nicht weiß, was das ist, hier eine kurze Erläuterung: Deus Ex Machina ist ein Begriff, der sich darauf bezieht, das eine aussichtslose Handlung durch eine Person, ein Wesen oder einen Umstand gelöst wird und sich diese Lösung anfühlt, als ob sie von außen „auf die Handlung gestülpt“ wird, weil der Protagonist nicht mehr anders aus der Situation befreit werden kann. Ein Beispiel: Die Protagonistin Mira sperrt sich in einem brennenden Raum ein. Niemand kann ihr helfen, es ist nicht möglich, ihre Hilfeschreie zu hören, niemand weiß, dass sie sich dort befindet. Plötzlich wird sie durch ihre niemals vorher im Verlauf der Handlung erwähnte, lang verschollene Tante gerettet, die zufällig an genau diesem Tag zu dieser Zeit den starken Wunsch verspürt hat, in genau diesem Raum vorbeizuschauen. Nicht sehr wahrscheinlich.

Ein Gegenbeispiel

Ein Gegenbeispiel: Protagonist Henry leidet an einer unheilbaren Krankheit. Die ganze bisherige Geschichte dreht sich um seine Suche nach einem übernatürlichen Wesen, das ihn als einziger retten kann. Besagtes Wesen rettet ihn – er lebt happily ever after.
Einmal davon abgesehen, wie gut oder schlecht dese Plots sind (eher schlecht), möchte ich damit sagen: Nur, weil etwas Übernatürliches die Handlung umdreht, spricht man nicht automatisch von Deus Ex Machina. Es geht bei diesem Begriff mehr um die Tatsache, wie unerwartet die Rettung ist. Damit meine ich, dass niemals zuvor von dem Umstand / Person / Wesen, das den Protagonisten rettet, gesprochen wurde. Er taucht einfach auf – ohne Motivation oder Bezug zur bisherigen Handlung. Warum? Weil der Autor keinen anderen Ausweg gefunden hat.

Was mich an unrealistischer Handlung stört und was sie für mich ist

Jetzt, wo wir gehört haben, wo unrealistische Handlung häufig ihre Wurzeln haben kann, möchte ich noch darüber sprechen, was mich daran besonders stört und was sie für mich bedeutet. Unrealistische Handlung ist niemals gleichzusetzen mit unerwarteten Wendungen. Denn Letztere sind zwar auf den ersten Blick unerwartet, bei näherer Betrachtung werden sie aber durch viele kleine Hinweise angekündigt. Unrealistische Handlung heißt für mich: Eine Lösung, die sich nicht angekündigt hat, nichts oder nur wenig mit der Handlung zu tun hat und als einziges Ziel die Auflösung des Problems hat. Was mich daran stört? Die Tatsache, dass man es sich damit als Autor zu einfach macht. Ein guter Plot ist für mich einer, bei dem alle Zahnräder ineinander greifen. Wenn darin Übernatürliches handlungsweisend vorkommt, dann ist das vollkommen in Ordnung – solange es sich logisch in den Verlauf integriert.

Was stört euch an unrealistischer Handlung? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Der Umgang mit Trauer in Literatur und Film

Da ich gerade erst wieder einen Film gesehen habe, bei dem mir dieses Thema ganz besonders ins Auge gestochen ist, möchte ich heute über den Umgang mit Trauer in Literatur und Film schreiben. Dabei sage ich gleich vorweg: Nein, natürlich wird es nicht überall gleich dargestellt, es gibt genügend Werke, in denen Trauer in all ihren Facetten behandelt wird. Ich spreche aber in diesem Artikel über die anderen Filme und Bücher, in denen mir immer wieder ein aufdiktiertes Bild von Trauer ins Auge sticht, das mir zusehends gegen den Strich geht.

Trauer, die

Laut Wikipedia bezeichnet Trauer ein betrübendes Ereignis, das die Stimmung des Gemüts beeinflusst sowie deren Kundgebung nach außen, etwa durch den Verlust nahestehender oder verehrter Personen oder Tiere, durch die Erinnerung an solche Verluste, oder auch zu erwartende Verluste. Dabei durchlaufen Trauernde nach Kast vier Phasen: Das nicht-Wahrhaben-Wollen, aufbrechende Emotionen wie Wut, Freude, Trauer, Ruhelosigkeit und Angst. Als dritte Phase das Suchen, Finden und sich trennen und als vierte Phase die Neuorientierung. Nicht alle Phasen werden immer in dieser Reihenfolge durchlebt, auch können sie mehrmals nacheinander oder durcheinander durchgestanden werden.

Die Erwartung an Trauer und Trauernde

Diese Definition zeigt meiner Meinung nach schon deutlich genug, dass Trauer ein sehr individueller Prozess ist, der je nach Mensch unterschiedlich verlaufen kann. Dennoch wird Trauer in vielen Büchern und Filmen mit bestimmten Bildern assoziiert, denen man gefälligst zu entsprechen hat – denn sonst trauert man ja nicht richtig. Genauso wie diese Erwartung an die Protagonisten gerichtet wird, wird sie auch im realen Leben an real Trauernde gerichtet und erzeugt damit einen meiner persönlichen Meinung nach latenten Druck sich dem gesellschaftlich akzeptierten Bild von Trauer unterzuordnen. Einen Druck, den man in einer Situation, in der man trauert, überhaupt nicht gebrauchen kann.

Frauen, Männer und die Trauer

Dabei werden Frauen in vielen Filmen und Büchern immer noch als die emotional Trauernden gezeigt, die vor versammelter Mannschaft in Tränen ausbrechen, zusammenbrechen und auch sonst ihre Gefühle nach außen tragen. Männer hingegen tragen den Schmerz mit Fassung, ziehen sich allenfalls auf ihren einsamen Fels zurück und machen das, was in ihnen vorgeht, mit sich selbst aus. Allgemein lässt sich diese Beschreibung in Literatur und Film natürlich auch noch auf andere Bereiche der Gefühlswelt übertragen, mir ist sie aber in diesem Fall besonders im Hinblick auf die Trauer aufgefallen.

Muss das so?

Muss das so? Ich sage: Nein. Denn genauso wie eine Frau still trauern kann, kann ein Mann auch emotional einen Verlust verarbeiten. Das Aufdiktieren von „richtigen“ und „falschen“ Verhaltensweisen bei einem so persönlichen, so individuellen Prozess wie der Trauer finde ich schlichtweg unverschämt. Jeder Mensch geht mit einem Verlust anders um und es sollte auch jedem selbst überlassen sein, wie er das tut. Vorwürfe wie: „Reiss dich mal zusammen“ oder „Du bist ja kalt wie Eis“ haben dabei einfach keinen Platz und setzen den Menschen, der sowieso schon einer Drucksituation ausgesetzt ist, noch weiter unter Strom. Die Erwartungshaltung bleibt trotzdem, wurde an mich sogar schon so herangetragen. Und ich frage: Gibt es wirklich einen Weg, falsch zu trauern? Ich sage wieder: Nein.

Nach dem Camp #NaNoWriMo ist vor dem Camp #NaNoWriMo

Noch drei Tage, dann ist es wieder soweit: Das Camp #NaNoWriMo öffnet seine Tore und mit ihm beginnt ein Monat voller Entbehrungen, Schreibhochs- und tiefs, Plotholes und anderen Dingen, die beim Entstehen eines Romans dazugehören. Was ich für dieses Camp plane, möchte ich euch kurz in diesem Artikel erzählen.

Camp #NaNoWriMo: Mein Ziel im Juli

Im April habe ich mit 30k Wörtern ein für mich eher niedriges Ziel gewählt. Das lag aber auch daran, dass ich im April keinen Urlaub hatte und der Monat ohnehin einen Tag kürzer war als der Juli sein wird. Da ich im Juli mit meinem Projekt vorankommen möchte, ist es mir wichtig, viel zu schaffen. Allerdings wird auch im Juli außerhalb des Schreibens einiges auf mich zukommen, daher setze ich in diesem Monat mein Ziel etwas weicher als im April: Ich plane zwischen 35 und 40k, je nach Auslastung. Damit würde ich mein Projekt „Der weiße Spatz“ – eine YA Dystopie – dann etwa auf 65 bis 70k bringen – es also fast fertig geschrieben haben.

Vorbereitung auf das Camp: Von Lektoratsrunden und dem Plotten

Die Vorbereitung gehört für mich (eigentlich) zu den wichtigsten Dingen, gerade beim Schreiben. Für das Projekt, das ich im Juli weiterschreiben möchte, habe ich die meiste Vorarbeit zwar schon geleistet, dennoch möchte ich (immer noch) den Plot einmal reinschreiben. Er existiert zwar, aber eben noch nicht in Reinform, sodass ich ihn, wie sonst auch, an meiner Plotleine aufhängen kann. Dieser Punkt steht also auf jeden Fall noch auf der To-Do-Liste, bevor das große Schreiben wieder losgeht. Außerdem wird im Juli noch die Vorbereitung der Veröffentlichung meines Debüts anstehen, dem ich auch einige Aufmerksamkeit schenken werde. Hier habe ich zwar ebenfalls schon Vorarbeit im Juni geleistet, trotzdem wird auch der Juli damit belegt sein, Aktionen für den August zu planen. Daneben wollen dieser und mein anderer Blog sowie die dazugehörigen Social-Media-Kanäle natürlich auch mit Inhalten befüllt werden.

Motivation und Disziplin

Das alles ist nur zu schaffen, wenn ich mir einen detaillierten Zeitplan bastele, der mir genau sagt, wann ich was tun muss. Dieses To-Do wandert also auch noch auf die Liste. Insgesamt wird der Juli also ein anstrengender, aber sicher auch schöner Monat werden. Denn einen Roman (fast) zu Ende zu schreiben, die Geschichte zusammen mit seinem Protagonisten zu entdecken, ist bei allen Entbehrungen und dem Stress, der mit dem täglichen Schreiben einhergeht, trotzdem eine der schönsten Nebensachen der Welt.

Nehmt ihr am Camp #NaNoWriMo im Juli teil? Wenn ja: Welches Ziel habt ihr euch für den Monat gesetzt?

Die schwindende Aufmerksamkeitsspanne beim Lesen

Ich merke es an mir selbst und höre es von vielen anderen: Die eigene Aufmerksamkeitsspanne beim Lesen nimmt ab, und zwar rapide. Habe ich früher ganze Nachmittage damit verbracht, Bücher zu lesen, muss ich mir heute die Zeit dafür mühsam zusammenklauben. Unterbrochen wird das Lesen zusätzlich immer wieder durch das Handy, das die neuesten Nachrichten, Tweets und Co 24/7 an mich weiterleitet. Ich versuche also permanent überall zu sein und ich merke, dass mir das nicht gut tut.

Vom Zwang immer up to date-Sein zu müssen

Dass ich mir früher ganze Tage freigehalten habe, um lesen zu können, lag natürlich nicht unwesentlich daran, dass ich Schülerin war. Nach Ausbildung, Studium und Vollzeitjob ist die Zeit knapper bemessen, das liegt in der Natur der Sache. Trotzdem fällt es mir schwerer in der sowieso schon kurzen Zeit, die ich lesen kann, mich aktiv auf ein Buch zu konzentrieren. Warum? Weil ich immer darüber nachdenke, ob jemand auf einen meiner Tweets reagiert hat, ich einen Blogbeitrag teilen muss, auf eine Nachricht bei Facebook antworten sollte – schlicht, meine Gedanken auf zig Hochzeiten tanzen. Das schlaucht und ich spüre, dass dieser selbst auferlegte Zwang, überall zu sein, mich anstrengt.

Lesen bringt Ruhe

Dabei habe ich diese innere Ruhe, die das Lesen mit sich bringt, dringend nötig. Ich merke das, wenn ich das Handy einfach mal bei Seite lege und wieder komplett in eine Geschichte abtauche. Dennoch kämpft sich immer wieder der Hintergedanke daran in mein Bewusstsein, dass ich etwas Produktives schaffen muss, etwas, das mich als Autorin, als Bloggerin, als Arbeitnehmerin voranbringt. Ich gestehe mir selbst nicht die Zeit zu, mich zu entspannen. Doch gerade in letzter Zeit habe ich erkannt, dass ich mir diese Zeit nehmen muss, um überhaupt etwas auf die Reihe zu kriegen. Denn: Wenn ich von Artikel zu Artikel, von Blog zu Blog, von Thema zu Thema springe, immer auf die neuesten Nachrichten schaue und mich dabei unbewusst treiben lasse, schaffe ich am Ende weniger, als wenn ich mir eine Stunde bewusste Freizeit nehme.

Konzentration durch Pausen und Aufgabenlisten

Auch wenn es zum Teil immer noch manchmal nicht so recht klappen will, habe ich für mich gelernt, Pausen zu machen. Pausen, in denen ich mich von der Arbeit löse und auf andere Gedanken komme. So schwer es meinem inneren Pflichtbewusstsein auch fällt, spüre ich doch, dass Konzentration und Belastbarkeit dadurch merklich steigen. Auch versuche ich mir feste Zeitspannen zu setzen, in denen ich mich mit Social Media beschäftige, sodass nicht immer wieder der Gedanke daran aufpoppt, was wohl gerade auf Plattform XYZ passiert. Das fällt mir als jemandem, der sehr gerne viel arbeitet und immer alles sofort machen möchte, nicht leicht, aber es ist der für mich richtige Weg. Denn ich merke: Je mehr ich mich auf nur eine Sache konzentriere, desto erfolgreicher bin ich insgesamt. Auch beim Lesen.

Kennt ihr das Problem der kurzen Aufmerksamkeitsspanne beim Lesen? Wie bekämpft ihr sie?

Literaturweltkarte: Einmal um den Globus

Literatur und Reisen sind zwei Dinge, die ich wahnsinnig gerne tue. Deshalb war ich total begeistert von der Idee, eine literarische Weltkarte zu erstellen und zu sehen, wo ich wenn auch nicht im realen, dann doch im literarischen Leben schon überall war. Inspiriert hat mich der schöne Beitrag von Trallafittibooks, den ich euch hier gerne verlinke.

Lesen bildet

Bevor ich euch aber zeige, wo ich schon überall herumgekommen bin, während ich auf der Couch lag, möchte ich noch etwas zum Lesen und Reisen sagen – wie oben schon gesagt zwei meiner absoluten Lieblingsbeschäftigungen. Beides bildet, meiner Meinung nach aber auf komplett unterschiedliche Art und Weise. Angefangen Geschichten zu lieben habe ich schon bevor ich selber lesen konnte. Ich erinnere mich daran, dass mein Lieblingswort an meinen Vater, der mir immer vorgelesen hat, war: Weiter. Dabei war ich nicht unbedingt eines der Kinder, die immer wieder und wieder das gleiche Buch vorgelesen haben wollten, sondern habe gerne neue entdeckt. Neue Welten, neue Charaktere, neue Geschichten.

Reisen aber auch

Mit der Zeit habe ich also wahnsinnig viele reale und erdachte Orte durch die Bücher besucht, die mir entweder vorgelesen wurden oder die ich später selber gelesen habe. Daraus hat sich dann, wenig überraschend, wenn ich ehrlich bin, irgendwann der Wunsch entwickelt, diese Orte auch selber zu besuchen – zumindest die realen. Bevor ich dazu die Mittel hatte, hat es aber noch ein wenig gedauert, inzwischen reise ich sehr gerne und viel. Reisen bildet dabei auf eine andere Art und Weise als lesen: Während man beim Lesen zum einen wahnsinnig viel über Sprache und die in den Büchern vermittelten Werte und Normen lernen kann, lehrt einen das Reisen nach meiner Erfahrung vor allem eins: Es kommt immer anders als du denkst. Beide Hobbys machen mir sehr viel Spaß und jetzt will ich euch meine literarische Weltkarte auch nicht weiter vorenthalten.

Meine Literaturweltkarte

Kurz zur Klarstellung: Natürlich sind hier nicht alle Bücher, die ich jemals gelesen habe, mit ihren Orten verzeichnet (bei 1300 Stück im Regal wäre das ein wenig aufwendig). Ich habe mich aber bemüht von allem ein bisschen herauszusuchen.


(Die dunkelgrünen Länder sind die, die ich besucht habe, die hellgrünen stehen noch aus.)


 Die genauen Orte und dazugehörigen Bücher

  1. New York, USA: 100 Stunden Nacht von Anna Woltz
  2. London, Großbritannien: Die Bartimäus Reihe von Jonathan Stroud
  3. Hamburg, Deutschland und der Himalaya, Nepal: Drachenreiter von Cornelia Funke (in diesem Buch wird noch auf einige andere Orte referenziert)
  4. Norwegen und Indonesien: Die Feder eines Greifen von Cornelia Funke (s.o.)
  5. Russland (versch. Orte): A Thousand Pieces of You von Claudia Gray
  6. Italien (versch. Städte): Die Stravaganza-Reihe von Mary Hofmann
  7. London, Großbritannien: Die Flüsse von London von Ben Aaronovitch
  8. New York, USA: Die City of Bones Reihe von Cassandra Clare
  9. Brasilien: Die Stadt der wilden Götter von Isabel Allende
  10. Afrika (geschätzt der Kongo): Im Bann der Masken von Isabel Allende
  11. Indien (und Nepal): Im Reich des Goldenen Drachen von Isabel Allende
  12. Australien: Die Aby Lynn-Saga von Rainer M. Schroeder
  13. Türkei / Griechenland / Ägypten: Die Judaspapiere von Rainer M. Schroeder

An welchen Orten seid ihr schon gewesen? Sowohl im realen Leben als auch auf dem Papier? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Warum ich fast nur noch auf Englisch lese

Auf Englisch lesen, das war für mich lange keine Option. Zwar spreche ich die Sprache, verstehe und lese sie auch ohne Probleme, trotzdem war für mich das Lesen auf Englisch immer irgendwie mit Arbeit verbunden. Sei es durch die Uni, an der ich viele englischsprachige Texte lesen musste, sei es durch die Arbeit. Mich dann auch noch abends hinzusetzen und ein englisches Buch in die Hand zu nehmen oder eine englische Serie zu schauen – das hätte sich noch mehr wie Arbeit angefühlt.

Eine Sache der Einstellung

Natürlich war ich mir darüber bewusst, dass ich dadurch viele tolle Filme und Serien verpasse; mindestens genauso sehr hat mich nach einer Weile aber gestört, dass mir auch einige vielversprechende Bücher, die es schlicht und ergreifend nicht in deutscher Übersetzung gibt, durch die Lappen gingen. Deshalb habe ich mich irgendwann in einer stillen Minute gefragt: Willst du dir das wirklich entgehen lassen? Immerhin war mein Sprachniveau hoch genug, um ohne Probleme auf Englisch lesen zu können. Ich entschied, dem Ganzen eine Chance zu geben.

Mein erster englischsprachiger Roman

Natürlich hatte ich vorher schon Bücher auf Englisch gelesen – in der Schule etwa, oder wenn mich ein Ratgeber interessierte. Dies aber zur Entspannung zu tun, wie ich auch deutsche Bücher las, daran hatte ich mich noch nicht getraut. Ich wählte meinen ersten englischsprachigen Roman, den ich abends im Bett lesen wollte, also sehr sorgfältig aus. Um jeden Preis wollte ich verhindern, dass mir die Lust am Buch verging und ich das auf die Sprache schieben würde. Daher entschied ich mich für eine Reihe, die ich auf Deutsch angefangen hatte: Die Harry Dresden Bücher. Außerdem traf es sich gut, dass Droemer Knaur die Produktion der Reihe eingestellt hatte und es sie deshalb eine Weile lang nur noch in Originalsprache zu kaufen gab.

Wie aus nur Deutsch, (fast) nur Englisch wurde

Nachdem ich den dritten Band der Harry Dresden Reihe auf Englisch gelesen hatte, musste ich mir eingestehen, dass ich unnötigerweise lange Zeit einen Bogen um die englischsprachige Literatur gemacht hatte: Alle meine Befürchtungen hatten sich zerstreut. Nach diesem ersten Roman, den ich in seiner Muttersprache las, traute ich mich Stück für Stück immer mehr. Inzwischen bin ich soweit, dass ich (fast) alle Bücher, die im Original Englisch geschrieben wurden, auch in dieser Sprache lese. Ich bin begeistert davon, wie sehr mein Sprachschatz sich seitdem erweitert hat und wie viel leichter als vorher es mir vergleichsweise fällt, auch andere Medien auf Englisch zu konsumieren. Davon abgesehen eröffnen englischsprachige Romane ein ganz anderes Sprachgefühl beim Lesen.

Wenn du also auch unsicher bist, ob du dich an englische Literatur herantrauen sollst, möchte ich dir mit diesem Artikel Mut machen: Deinem Sprachlevel entsprechend würde ich klein anfangen und mich immer weiter vortasten. Irgendwann fällt es dir dann mit Sicherheit genauso leicht wie mir jetzt, Bücher auf Englisch zu lesen.

Lesen und Schreiben als Realitätsflucht und warum das nicht schlimm ist

Kennt ihr diese Blicke, wenn man erzählt, dass man schreibt? Sie reichen von bewundernd (eher selten) über irritiert (schon häufiger) bis hin zu der Frage: Aber verdienst du denn damit auch etwas? Beim Lesen ist mir diese Reaktion noch nicht begegnet, was natürlich durch die Sache bedingt ist, trotzdem gab es schon häufiger die Frage: Willst du nicht mal etwas anderes als Fantasy lesen? Das ist doch so realitätsfern. Meine Antwort darauf ist meistens: Aber genau darum geht es doch.

Warum Fantasy nicht gleich Fantasy ist

Dabei habe ich schon seit langem aufgegeben, mich über den Begriff Fantasy zu ärgern. Denn mit Fantasy meinen viele Leute nicht nur High Fantasy wie Tolkien, sondern auch jegliche andere Literatur, in der auch nur ansatzweise etwas vorkommt, das es nicht in unserer realen Welt gibt. Dabei liegt mir nichts ferner, als einen Streit über Genregrenzen anzufangen – mir geht es mehr darum, dass nicht differenziert wird und in den Augen vieler Fantasy eben nur das ist: Welten, wie die von Tolkien. Dass es in diesem Spektrum aber auch noch so viel mehr gibt, wird leider häufig übersehen. Zumindest nach meiner Erfahrung (wenn ihr da andere gemacht habt: Gut für euch!).

Phantastische Literatur und Realität

Sobald das Wort Fantasy dann erst einmal im Raum steht, folgt auf dem Fuße meistens auch gleich noch ein anderer Vorwurf, nämlich der hier: Warum liest du nicht mal was, wo keine Elfen rumhopsen? Etwas, das sich mit richtigen Problemen befasst? Eine Zeit lang habe ich versucht, zu erklären, was mich an phantastischer Literatur so fasziniert, bin damit aber leider häufig auf taube Ohren gestoßen. Inzwischen überhöre ich das einfach. Denn abgesehen von der Tatsache, dass es meine Sache ist, was ich in meiner Freizeit tue, behandelt phantastische Literatur sehr wohl so manche aktuelle Thematik.

Realitätsflucht beim Lesen und schreiben

Ich finde es also vermessen zu behaupten, jeder der phantastische Literatur liest, flieht aus der Realität. Denn das ist nach meiner Erfahrung nicht der Fall. Man beschäftigt sich sehr wohl mit Problematiken, die die reale Welt betreffen, nur eben auf einer anderen Ebene. Mehr noch: Aus meiner Sicht ist es ein Merkmal wirklich guter Phantastik, genau das zu tun, Themen aufzugreifen und verfremdet darzustellen, um einen anderen Zugang dazu zu eröffnen. Denn auch wenn man das gleiche Thema realitätsnah hätte behandeln können – wer sagt, dass es vielen Menschen nicht einfacher fällt auf einer abstrakten, nämlich der surrealen Ebene eine Lehre aus Dingen zu ziehen?

Ich persönlich finde die häufig mit Fantasy und Phantastik assoziierte Realitätsflucht also nicht halb so schlimm, wie mancher, der mich mit erhobenem Zeigefinger belehren wollte. Und selbst wenn man sich für einen Augenblick aus der realen Welt entfernt: Was ist so schlimm daran?

Camp #NaNoWriMo Update: Wie ich es schaffe, 30k pro Monat zu schreiben

Kurz vor Ende des Camp #NaNoWriMo im April möchte ich eine Zusammenfassung aka ein Update meines Schreibens in diesem Monat geben und erklären, warum das Konzept des NaNoWriMo für mich so gut funktioniert. Einige von euch werden über die 30k als Monatsziel wahrscheinlich nur müde den Kopf schütteln, für andere ist es ein unüberwindbar hoher Berg an Wörtern. Wie auch immer ihr das Ziel seht, es ist und bleibt ein gutes Stück Arbeit in 30 Tagen dreißigtausend Wörter zu schreiben. Wie ich das mache? Lest ihr jetzt.

Regelmäßigkeit als Stichwort: Die Vorbereitung

Am allerwichtigsten ist mir beim Erreichen eines solchen Wordcounts die Regelmäßigkeit beim Schreiben: Feste Zeiten, feste Wordcounts, richtige Vorbereitung. Regelmäßigkeit war für mich also das Stichwort, nach dem ich das Camp angegangen bin. Dazu habe ich mich im Vorfeld entsprechend auf das Schreiben vorbereitet. Es ging mir vor allem darum, wirklich nur noch runterschreiben zu müssen und auf dem Weg keine Plotholes oder ähnliches auszubessern, die wegen ungenauer Planung entstanden sind. Also habe ich so detailliert geplottet wie irgend möglich, sodass mir das eben nicht passieren konnte. Auf diesem Weg konnte ich ohne Umwege in mein Projekt starten.

Zeiten und Wordcounts

Die Vorbereitung war aber natürlich nicht alles, um mein Ziel zu erreichen, sondern auch das regelmäßige Schreiben. Dreißigtausend durch dreißig Tage – eine einfach Rechnung – ergeben tausend geschriebene Wörter pro Tag. Aus meiner ersten Teilnahme am Camp NaNoWriMo im Juli 2017 wusste ich, dass ich diese Anzahl an Wörtern pro Tag durchaus schaffen würde. Mein damaliges Ziel waren 43k, die ich auch ohne Probleme erreicht habe. Trotzdem schafft man an einigen Tagen wenig oder nichts, an anderen haben mein Reiseblog oder die Arbeit die Zeit aufgefressen – ich musste also auch Zeiten einplanen, in denen ich eben nicht an meinem Projekt schreiben konnte. Und diese habe ich mir auch bewusst genommen, um dem Schreiben eben nicht überdrüssig zu werden.

Die Sache mit den Zweifeln

Und dann ist da noch die Sache mit den Selbstzweifeln: Im letzten Camp habe ich ein Projekt zu Ende geschrieben, zu dem ich damals schon über 50k auf der Festplatte liegen hatte. Dort war ich also schon drin und musste „nur noch“ zum Ende finden. Diesen April habe ich aber bei null angefangen und das stellte sich die ersten drei Tage als größere Hürde heraus, als gedacht. Ich fühlte mich fremd im eigenen Projekt, die Welt und die Charaktere widersetzten sich mir, fühlten sich nicht echt an. Das erste Kapitel musste ich trotz lückenlos geglaubtem Plot deshalb noch einmal komplett neu aufziehen, denn so, wie ich es geplant hatte, funktionierte es einfach nicht. Auch das merkt man manchmal erst direkt beim Schreiben. Der zweite Versuch war dann genau richtig und ich fand doch schneller als gedacht in die Geschichte.

Fazit: Camp NaNoWriMo

Insgesamt ist der NaNoWriMo (egal ob Camp oder Original) immer eine Grenzerfahrung: Jeden Tag schreiben zu müssen, erzeugt Druck. Ich habe festgestellt, dass mich dieser Druck voran bringt und mich eben auch dann motiviert, wenn ich eigentlich nur auf der Couch liegen und meine Ruhe haben möchte. Das Camp spricht in mir genau die richtige Mischung aus Ehrgeiz und Pflichtgefühl an, denn zwischen den unterschiedlichen Cabins, in die man einsortiert wird, gibt es meistens auch einen kleinen Wettkampf. Ich wollte also weder mein Team hängen lassen noch mein Ziel nicht erreichen. Dafür braucht es Vorbereitung, Zeitplanung, Disziplin und den Willen, den Scheiß endlich durchzuziehen. Deshalb: Bis zum nächsten Camp im Juli! Dort werde ich unter mein aktuelles Projekt dann hoffentlich ein Ende setzen. Denn im September erscheint ja schon mein Debut. Mehr dazu lest ihr übrigens auch hier auf meinem Blog.

Hast du schon einmal am NaNoWriMo teilgenommen? Was sind deine Erfahrungen mit dem Schreibmarathon? Wenn du nicht so genau weißt, was der NaNo eigentlich ist, schau gerne bei meinem ersten Artikel zu diesem Thema vorbei.

Camp #NaNoWriMo: Der Schreibwahnsinn beginnt

Zeit für Notizen

Es ist endlich wieder soweit: Das Camp #NaNoWriMo hat begonnen. Im November hatte ich leider keine Zeit, um an seinem großen Bruder, dem NaNoWriMo, teilzunehmen, zumal meine Idee dort auch erst in den Kinderschuhen steckte. Für alle, die von beiden Veranstaltungen noch nie etwas gehört haben, sei vielleicht vorweg gesagt: Sowohl beim Camp als auch beim normalen NaNoWriMo geht es darum, innerhalb eines Monats an seinem aktuellen Projekt zu schreiben. Beide unterscheiden sich im Wesentlichen dadurch, dass das Ziel beim Camp frei definiert werden kann, beim November NaNoWriMo hingegen auf 50.000 Wörter festgelegt ist. Warum nun gerade die 50.000? Weil man ab dieser Anzahl von Wörtern von einem Roman spricht und genau darum geht es ja im National Novel Writing Month.

#CampNaNoWriMo: Mein Ziel im April

Das Camp ist da, wie gesagt, etwas freier. Ich habe mir für den April einen Wordcount von 30.000 Wörtern vorgenommen – das ist immer noch genug, gerade wenn man Vollzeit arbeitet und nebenbei noch zwei Blogs mit Inhalten füllen muss.
Diesen Monat werde ich also ganz meinem neuen Projekt widmen, Arbeitstitel: Der weiße Spatz. Grob umrissen wird es im Young Adult Bereich angesiedelt sein, keine phantastischen Elemente haben und sich mit einer aktuellen Thematik beschäftigen, über die ich selber momentan sehr viel nachdenke. Diese aktuelle Thematik ist die Rede- und Meinungsfreiheit. Ein aus meiner Sicht sehr wichtiges Thema.

Vorbereitung auf das Camp: Plotten oder nicht plotten, das ist hier die Frage

Was tut man eigentlich in Vorbereitung auf den NaNoWriMo (ob nun der im November oder seine kleineren Geschwister sei mal dahingestellt)? Wie bereite ich mich vor? Das lässt sich ganz einfach beantworten: Ich plane exzessiv – übrigens nicht nur in Bezug auf meine Geschichten und Blogbeiträge. Deshalb gehöre ich definitiv zu der Riege der Autoren, die sich, bevor sie anfangen zu schreiben, wochenlang Gedanken machen. Um jeden Spannungsbogen, jede Figurenentwicklung und jedes noch so kleine Plothole machen. Das hat den Vorteil, dass man, wenn man es denn endlich geschafft hat, einfach runterschreiben kann. Ich orientiere mich während des NaNoWriMo also streng an dem Plot, den ich vorher aufgestellt habe. Er hängt in meinem Arbeitszimmer an einer Leine über meinem Kopf. Handgeschrieben. Denn das ist noch so ein Punkt, bei dem ich nicht diskutieren kann: Das Buch selber schreibe ich mit dem Pc, den Plot immer mit der Hand. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Ideen besser fließen, wenn ich sie auf Papier schreibe. Ist eine Eigenheit, die ich nicht ablegen kann.

Das #CampNaNoWriMo hat also begonnen. Wer von euch ist noch dabei? Und was schreibt ihr in diesen vier Wochen des Wahnsinns?